Berufsbild Gesundheitsförderer

Im Zuge der steigenden Bedeutung des Themas Gesundheit sind in den letzten 25 Jahren auch neue Gesundheitsberufe entstanden. Dazu zählen „Gesundheitsförderer" (auch Gesundheitswirte, Absolvent_iInnen von Gesundheitsförderungs-Studiengängen), die generalistisch ausgebildete Expert_innen zur Erhaltung und weiteren Verbesserung der Gesundheit sind. Sie verbinden Fachkompetenzen aus traditionellen Disziplinen wie Medizin, Psychologie, Soziologie, Sport- und Ernährungswissenschaften, Pädagogik, Wirtschafts-, Politik-, Umweltwissenschaften, Epidemiologie/Statistik und Recht. Ergänzt wird dies durch umfangreiche Methodenkompetenzen.


Wichtiger Bezugsrahmen sind die von der WHO in internationalen Konferenzen verabschiedeten Grundsatzdokumente zur Gesundheitsförderung (allen voran die „Ottawa Charta", die grundsätzliche Handlungsfelder und Strategien der Gesundheitsförderung beschreibt). Tätigkeitsschwerpunkte von Gesundheitsförderern sind demnach:

  • die Entwicklung einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik (die aktiv Gesundheitsförderungsziele verfolgt und nicht nur auf Krankheitsversorgung ausgerichtet ist)
  • die Schaffung gesunder Lebensbedingungen und Lebenswelten (z.B. Betriebe, Städte, Schulen, Kitas, Freizeiteinrichtungen)
  • die Förderung gesunder Verhaltensweisen und Lebensstile (z.B. Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung, Lebenskompetenzen)
  • die Neuorientierung der Gesundheitsdienste mit einer stärkeren Präventionsorientierung


Kernkompetenzen

  • Wahrnehmung von Aufgaben der Gesundheitsförderung im Umgang mit Individuen, sozialen Gruppen, Organisationen und Institutionen in unterschiedlichen
  • gesellschaftlichen Bereichen und Handlungsfeldern
  • Konzeptentwicklung, Durchführung und Evaluation von komplexen gesundheitsfördernden Maßnahmen und Interventionen
  • Gestaltung von gesundheitsförderlichen Prozessen, um Menschen zu einem höheren Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu befähigen
  • Entwicklung und Anwendung von Strategien, um die zu Krankheiten führenden Lebensverhältnisse und persönlichen Verhaltensweisen zu verändern
  • Aufbau intersektoraler Kooperationen und Vernetzung von Akteur_innen
  • Überzeugung von Entscheidungsträger_innen und Durchführung öffentlichkeitswirksamer Aktionen
  • Gestaltung von Infrastrukturen zur Gesundheitsförderung
  • Planung, Durchführung und Evaluation von Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Gesundheitsförderung
  • Erhebung, Auswertung und Publikation von gesundheitsrelevanten Daten und Zusammenhängen


Charakteristika

  • Generalistische Ausbildung (z.B. humanbiologische, medizinische, psychologische, soziologische, politische, rechtliche und ökonomische Kenntnisse ermöglichen fachübergreifendes Handeln)
  • Ganzheitliches bio-psycho-soziales Gesundheitsverständnis
  • Ressourcenorientierte Arbeitsweise auf Grundlage des salutogenetischen Ansatzes 
(zentrale Frage: „Was erhält Menschen gesund?“ versus Pathogenese „Was macht krank?“)
  • Orientierung am Setting-Ansatz als erfolgversprechendste Interventionsform
  • Netzwerkarbeit, Förderung multisektoraler Zusammenarbeit
  • Entwicklung innovativer gesundheitsfördernder Konzepte
  • Interessenvertretung und politische Einflussnahme
  • Leitungs- und Führungskompetenzen
  • Empowerment, Partizipation und Hilfe zur Selbsthilfe
  • Gesundheitstraining, -beratung und -information
  • Soft Skills (Rhetorik, Moderation, Präsentation, Gesprächsführung)

Praxisfelder

  • Öffentliche und kommunale Gesundheitsförderung
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement und Organisationsentwicklung
  • Psychosoziale und personenbezogene Gesundheitsförderung
  • Gesundheitsbildung, -information, -beratung und -training
  • Gesundheitskommunikation
  • Gesundheitspolitik und Interessenvertretung
  • Wissenschaftliche Tätigkeit, Forschung, Lehre und Entwicklung

Anstellungsträger

  • Unternehmen aus Wirtschaft, Industrie und Verwaltung
  • Universitäten, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und andere Bildungsträger
  • Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Unfallversicherungen
  • Ministerien und andere öffentliche Institutionen
  • Landesvereinigungen für Gesundheit
  • Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen
  • Öffentlicher Gesundheitsdienst
  • Stiftungen, Vereine und Verbände
  • Unternehmensberatungen und andere Beratungseinrichtungen


Studiengänge


Die Disziplin Gesundheitsförderung hat in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich an gesellschaftlicher Relevanz und Akzeptanz gewonnen. Es entstanden und entstehen deutschlandweit eine Reihe neuer Studienmöglichkeiten und beruflicher Tätigkeitsfelder, die von einem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis ausgehen.


Die deutschlandweit erste akademische Ausbildungsmöglichkeit im Bereich Gesundheitsförderung entstand 1993 mit dem Diplomstudiengang "Gesundheitsförderung und -management" an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Von hier gingen wesentliche Impulse für die Etablierung weiterer gesundheitsbezogener Studienangebote an Hochschulen und Universitäten aus.
Die Webseite www.gesundheitsfoerderung-studieren.de gibt eine Übersicht zu den bundesweiten Bachelor- und Master-Studiengängen im Bereich Gesundheitsförderung im engeren Sinne.
Umfassende Informationen zu, im weiteren Sinne gesundheitsbezogenen Bachelor-, Master- und Zertifikats-Studiengängen in Deutschland, bietet die Online-Datenbank www.gesundheit-studieren.de. Sie wurde von der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Leuphana Universität Lüneburg entwickelt und umfasst derzeit über 450 Einträge.